Warum Geschirr oft noch nass aus dem Geschirrspüler kommt
Die Spülmaschine ist fertig, aber Gläser sind beschlagen und Plastikdosen noch tropfnass: Dieses Bild kennen viele Haushalte. Obwohl das Programm korrekt durchläuft, bleibt häufig Restfeuchtigkeit zurück. Dann heißt es: entweder abtrocknen oder warten, bis alles von selbst getrocknet ist.
In sozialen Netzwerken kursiert dazu ein ungewöhnlicher Haushaltstrick: Nach dem Spülgang eine Rolle Toilettenpapier in den Geschirrspüler stellen, um die Feuchtigkeit aufzusaugen.
Entgegen dem ersten Eindruck steckt dahinter tatsächlich ein einfaches physikalisches Prinzip: die Aufnahme von Luftfeuchtigkeit durch ein stark saugfähiges Material.
Wie das Trocknen im Geschirrspüler funktioniert
Um den Trick einordnen zu können, hilft ein Blick auf das Trocknungssystem vieler Haushalts-Geschirrspüler. Häufig kommt das sogenannte Kondensationstrocknen zum Einsatz.
Dabei wird die beim letzten heißen Klarspülgang aufgeheizte Feuchtigkeit genutzt: Das Wasser auf Tellern, Gläsern und Besteck verdampft. Der Wasserdampf schlägt sich dann an den kühleren Innenwänden des Geräts nieder, kondensiert dort und läuft nach unten in den Boden des Geschirrspülers ab.
Nicht alle Materialien verhalten sich dabei gleich:
- Keramik und Glas speichern Wärme besser und unterstützen so die Verdunstung.
- Kunststoff kühlt schnell ab, nimmt wenig Wärme auf und trocknet daher deutlich schlechter.
Deshalb kommen gerade Kunststoffbehälter, Trinkflaschen oder Deckel oft mit sichtbaren Tropfen aus der Maschine, obwohl der Rest des Geschirrs fast trocken ist.
Wozu eine Rolle Toilettenpapier im Geschirrspüler gut sein soll
Toilettenpapier ist so konzipiert, dass es Flüssigkeit schnell aufnimmt. Seine faserige Struktur erleichtert die Wasseraufnahme und macht es auch für Luftfeuchtigkeit sehr aufnahmefähig.
Der Trick nutzt genau diese Eigenschaft: Die Rolle soll nach Programmende einen Teil der Restfeuchte im Innenraum des Geschirrspülers binden.
Die übliche Vorgehensweise:
1. Nach Ende des Spülprogramms die Tür kurz öffnen und einige Minuten angelehnt lassen, damit ein Großteil des heißen Dampfes entweichen kann.
2. Anschließend eine neue Rolle Toilettenpapier auf die obere Schublade oder in eine freie Stelle zwischen dem Geschirr legen.
3. Tür wieder schließen und den Geschirrspüler etwa eine halbe Stunde geschlossen lassen.
4. In dieser Zeit nimmt das Papier einen Teil der verbleibenden Feuchtigkeit im Innenraum auf.
Wer den Trick anwendet, berichtet von spürbar trockenerem Geschirr, das ohne Nachtrocknen direkt in den Schrank geräumt werden kann – vor allem Kunststoffteile sollen deutlich weniger nass sein.
Kritik am Klopapier-Trick und Alternativen
Auch wenn der Ansatz physikalisch nachvollziehbar ist, gibt es Einwände. Eine ganze Rolle Toilettenpapier bei jedem Spülgang zu verbrauchen, kann unnötig teuer und wenig umweltfreundlich sein. Daher empfehlen viele Haushaltsprofis wiederverwendbare Lösungen.
Eine Möglichkeit ist ein sauberes, trockenes Küchenhandtuch. Es wird so in die Tür oder den oberen Bereich geklemmt, dass ein Teil ins Innere des Geschirrspülers hängt, wenn die Tür geschlossen ist. Das Tuch nimmt ähnlich wie Papier Feuchtigkeit auf, kann anschließend aber einfach gewaschen und mehrfach genutzt werden.
Als Kompromiss lässt sich auch Küchenpapier verwenden, etwa ein halber abgeschnittener Rollenabschnitt, um den Verbrauch zu reduzieren.
Wichtig ist in allen Fällen: Das Material sollte keine Heizstäbe oder besonders heiße Bauteile berühren, vor allem dann nicht, wenn der Spülgang gerade erst beendet wurde.
Weitere Möglichkeiten, den Trocknungseffekt zu verbessern
Neben dem viralen Klopapier-Trick gibt es bewährte Empfehlungen von Herstellern und Technikern, um das Trocknungsergebnis zu optimieren:
- Tür nach Programmende leicht öffnen, damit der Dampf entweichen und frische Luft zirkulieren kann.
- Klarspüler verwenden, weil er die Oberflächenspannung des Wassers reduziert und Tropfen schneller ablaufen.
- Geschirr richtig einräumen, sodass sich in Vertiefungen und umgedrehten Gefäßen kein Wasser sammeln kann.
- Programme mit „Extra-Trocknen“ oder ähnlichen Optionen wählen, falls das Gerät diese Funktion bietet.
Moderne Geschirrspüler arbeiten teilweise mit automatischer Türöffnung am Programmende oder mit speziellen Trocknungstechnologien, etwa mit Zeolith, um die Verdunstung ohne großen Mehrverbrauch an Energie zu verbessern.
Fazit: Sinnvoll, aber nicht die einzige Lösung
Der Trick mit der Toilettenpapier-Rolle ersetzt nicht die Trocknungsfunktion des Geschirrspülers, kann aber punktuell helfen – vor allem bei hartnäckig feuchten Kunststoffteilen. Aus physikalischer Sicht ist das Prinzip der Feuchtigkeitsaufnahme durch ein saugfähiges Medium schlüssig.
Bevor daraus jedoch eine feste Gewohnheit wird, lohnt es sich, wiederverwendbare Alternativen zu prüfen und die Grundeinstellungen des Geräts zu kontrollieren. Oft reichen schon ein korrekt dosierter Klarspüler, eine sinnvollere Beladung oder ein anderes Programm, um lästige Wassertropfen deutlich zu reduzieren.
Am Ende ist der Klopapier-Trick keine Zauberei, sondern lediglich eine einfache Nutzung der Saugkraft von Papier – hilfreich in Einzelfällen, aber nicht immer notwendig, wenn der Geschirrspüler optimal genutzt wird.
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