Die Plage, die keiner kommen sah
Stell dir vor: Deine Netze kommen zurück. Fast leer – aber voller Arme. Acht Arme.
Genau das passiert vor der Küste Englands.
Zwischen Januar und Juni 2025 wurden in britischen Häfen über 1.200 Tonnen Oktopus angelandet – ein Rekord, der die traditionelle Krabben- und Hummerfischerei buchstäblich überrollt.
Der eigentliche Knall: Die kommerziellen Oktopus-Fänge haben sich um das 65‑Fache gegenüber den Vorjahren gesteigert.
Und Forscher zeigen jetzt: Das ist kein Zufall, sondern ein wiederkehrendes, klimagesteuertes Muster.
Das Klima dreht auf – und der Oktopus antwortet
Im Fokus steht der Gewöhnliche Krake, Octopus vulgaris.
Eigentlich eher ein Mittelmeer-Star, jetzt plötzlich Massenware im kühleren Nordostatlantik.
Ein Team der Marine Biological Association und der Universität Plymouth wühlte sich durch 125 Jahre Aufzeichnungen.
Sie fanden nur vier große „Oktopus-Explosionen“: 1899–1900, 1932–33, 1950–51 und jetzt ab 2025 – alle gekoppelt an ungewöhnlich warme Meere.
Der Winter und Frühling vor dem Boom: Meerestemperaturen im Südwesten Englands mehrere Grad über dem Schnitt.
Das Ergebnis: Larven überleben besser, wachsen schneller, werden zu einer Armee aus hungrigen, hochintelligenten Räubern.
Gleichzeitig schoben Ostwinde und Strömungen zusätzlich Larven aus dem Ärmelkanal und dem Norden Frankreichs heran.
Auf der Kanalinsel Guernsey war der Anstieg schon 2024 messbar.
Das Unsichtbare im Ozean: Warum genau Oktopusse profitieren
Hier wird es unheimlich: Laut Studien in Nature Climate Change gewinnen ausgerechnet kurzlebige, flexible Arten wie Kopffüßer (Tintenfische, Kalmare, Oktopusse) im sich erwärmenden Ozean an Boden.
Forscher sprechen bereits von einer möglichen „Cephalopodifizierung“ der Meere – einer Zukunft, in der intelligente Weichtiere ganze Nahrungsnetze umkrempeln.
Die britischen Zahlen passen erschreckend gut in dieses Bild.
Während Oktopusse zunehmen, brachen Fänge von Königskrabbe, Europäischem Hummer und Jakobsmuschel um 30–50 % ein.
Wenn der Fang zum Feind wird
Für viele Fischer ist der Oktopus kein Bonus, sondern ein Störfall.
Er frisst Beute in den Fallen, beschädigt Krustentiere – und ersetzt keine etablierten Märkte.
Ein Teil der Flotte rüstet um:
- Fallen enger machen, damit Oktopusse drinbleiben.
- Spezielle „Tintenfass“-Fallen einsetzen, die der Krake als Versteck nutzt.
- Oktopus-Fänge gezielt nach Spanien und Portugal exportieren, wo es eine starke Nachfrage gibt.
Parallel arbeitet das Labor in Plymouth an einem Frühwarnsystem für Oktopus-Larven, gestützt auf Ozeanmodelle und Unterwasservideo.
Die britische Marine Management Organisation prüft eigene Fangquoten – ein stilles Eingeständnis, dass diese „Plage“ kein Einmaleffekt, sondern ein Symptom der strukturellen Ozeanerwärmung sein könnte.
Source: Okdiario
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