Ein Knochenfresser mit 2,8 Metern Spannweite kehrt nach einem Jahrhundert in die Freiheit zurück.
Und er heißt: „Moncayo“.
Im sorianischen Teil des Moncayo-Gebirges ist erstmals seit über 100 Jahren wieder ein Bartgeier-Küken in freier Wildbahn geschlüpft.
Nicht in einer Voliere. Nicht in einem Zoo. Sondern in einem natürlichen Horst – mitten im System Ibérico.
Das Küken stammt von einem wilden Männchen und einer markierten Weibchenlinie: Ezka, 2015 in Navarra beringt.
Mehrere Brutversuche 2020 und 2021 scheiterten – jetzt hat das Paar durchgehalten. Und die Artenschutzteams auch.
Die Szene wirkt unscheinbar: ein Horst, Felswand, ein Küken.
Doch dahinter steckt ein Hightech- und Hochrisiko-Einsatz mit Bergspezialisten, Tierärzten und einem GPS-Sender, der Moncayo nun zur fliegenden Datenquelle macht.
Warum dieser Vogel so radikal anders ist?
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) frisst bis zu 70–90 % seiner Nahrung in Form von Knochen – er lässt Kadaver buchstäblich nicht „liegen“.
Er trägt Knochen in die Luft, lässt sie aus großer Höhe auf Felsen krachen und schluckt die Bruchstücke samt Mark.
Damit räumt er auf, wo andere Aasfresser längst aufgegeben haben – ein ökologischer Endreiniger.
Laut IUCN gilt der Bartgeier global als „Near Threatened“, in Spanien sogar als „vom Aussterben bedroht“ geführt.
Um 1900 war er aus weiten Teilen Europas fast verschwunden – in den Alpen wurde er ausgerottet und erst ab den 1980ern mit einem der größten Wiederansiedlungsprojekte Europas zurückgebracht.
Heute zeigen internationale Daten von BirdLife und EU-Life-Projekten: Wo Bartgeier zurückkehren, sinkt das Risiko, dass Kadaver Krankheiten oder Giftstoffe in Ökosysteme tragen.
Mit Moncayo entsteht nun eine neue, genetisch wertvolle Wildlinie im System Ibérico – fern der Hauptpopulation in den Pyrenäen.
Die Hoffnung:
- Offizielle Ausweisung des sorianischen Moncayo als Naturpark
- Stabile Brutpaare im gesamten System Ibérico
- Vernetzung mit Pyrenäen, Picos de Europa und Bético-Gebirge
- Ein Modellfall, wie jahrzehntelanger Artenschutz tatsächlich kippt – vom Verlust zur Rückkehr
Dieses einzelne Küken ist kein „süßes Tierbaby“.
Es ist ein Beweis, dass ein fast verlorener Hochgebirgsräuber wieder Teil des spanischen Himmels werden kann.
Source: Okdiario
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