Mädchen mit Autismus werden laut Experten in der Kindheit seltener diagnostiziert als Jungen

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Written by Emilia

7. Februar 2026

Wissenschaftler untersuchten 2,7 Millionen Teilnehmer. Sie stellten fest, dass sich das Verhältnis der Diagnosen zwischen Männern und Frauen im Laufe der Jahre tendenziell angleicht.

Die Autismus-Spektrum-Störung, bekannt als Autismus, beeinflusst die Art und Weise, wie Menschen interagieren, kommunizieren, lernen und sich verhalten.

Obwohl sie in jedem Alter diagnostiziert werden kann, wird sie als „Entwicklungsstörung” bezeichnet, da die Symptome in der Regel in den ersten beiden Lebensjahren auftreten.

Wissenschaftler aus Schweden haben eine groß angelegte Studie durchgeführt, die die traditionelle Sichtweise auf Autismus verändern könnte, indem sie die Annahme in Frage stellt, dass Jungen stärker davon betroffen sind.

Jahrzehntelang galt Autismus als eine Diagnose, die vor allem bei Männern gestellt wurde, aber die neue Studie, die in der Zeitschrift The BMJ veröffentlicht wurde, legt nahe, dass die Häufigkeit bei Frauen der bei Männern sehr nahe kommen könnte.

Das Forschungsteam analysierte die Gesundheitsdaten von 2,7 Millionen Menschen, die zwischen 1985 und 2022 geboren wurden. Die Nachbeobachtungszeit von bis zu 37 Jahren ermöglichte es, zu beobachten, wie sich die Diagnose Autismus im Laufe des Lebens und bei beiden Geschlechtern entwickelt.

Während des Untersuchungszeitraums erhielten 78.522 Personen eine Autismusdiagnose, was 2,8 % der untersuchten Bevölkerung entspricht.

Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Diagnose betrug 14,3 Jahre, was Aufschluss über den Zeitpunkt gibt, zu dem die Erkrankung erkannt wird. Die Daten zeigen, dass die Diagnoseraten im Laufe der Jahre stetig ansteigen.

Bei Männern ist die höchste Rate zwischen 10 und 14 Jahren zu beobachten, mit 645,5 Fällen pro 100.000 Personenjahre.

Bei Frauen wird der Höhepunkt der Diagnosen später erreicht, nämlich zwischen 15 und 19 Jahren. Er liegt bei 602,6 Fällen pro 100.000 Personenjahre.

Diese zeitliche Verschiebung macht auf die Unterschiede bei der Erkennung von Autismus je nach Geschlecht aufmerksam. Obwohl Jungen in der Kindheit häufiger diagnostiziert werden, beginnt sich die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Pubertät zu schließen.

Im Alter von etwa 20 Jahren nähert sich das Verhältnis der Diagnosen zwischen Männern und Frauen einem Verhältnis von 1:1, eine Zahl, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Die Bedeutung von Zeit und Wartezeit

Die Studie war eine Beobachtungsstudie, eine Einschränkung, auf die die Forscher hingewiesen haben, da damit verbundene Erkrankungen wie ADHS oder geistige Behinderung nicht berücksichtigt wurden. Auch genetische oder umweltbedingte Variablen wie die psychische Gesundheit der Eltern wurden nicht berücksichtigt.

Der Umfang und die Dauer der Untersuchung ermöglichten es jedoch, die Auswirkungen des Alters, des Zeitraums und der Geburtskohorte auf eine gesamte Population zu analysieren. Dies bietet einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung von Autismus im Laufe des Lebens.

Die Wissenschaftler behaupten, dass das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, bei denen Autismus diagnostiziert wurde, mit der Zeit und dem Alter zum Zeitpunkt der Diagnose abnahm. In Schweden könnte dieser Unterschied im Erwachsenenalter nicht mehr sichtbar sein und die zuvor so klar erscheinenden Grenzen verwischen.

Die Arbeit unterstreicht die Notwendigkeit zu verstehen, warum Frauen später als Männer diagnostiziert werden. Diese Verzögerung kann direkte Auswirkungen auf die Betreuung und Unterstützung haben, die sie im Laufe ihres Lebens erhalten.

Jenseits der Zahlen, die tägliche Realität

Die Ergebnisse bestätigen die wachsende Besorgnis über verspätete oder fehlende Diagnosen bei Frauen. Mehrere aktuelle Studien kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass viele Frauen mit Autismus erst im Erwachsenenalter identifiziert werden oder nie eine formelle Diagnose erhalten.

Anne Cary, Patientin und Fürsprecherin für Menschen mit Autismus, griff dieses Thema in einem Leitartikel im Zusammenhang mit der in The BMJ veröffentlichten Studie auf.

Sie erklärte, dass die Ergebnisse dieser Arbeit entscheidend seien, um die Vorstellung in Frage zu stellen, dass Autismus hauptsächlich Männer betrifft.

Während sie auf eine genaue Diagnose warten, erhalten autistische Frauen oft Fehldiagnosen von psychiatrischen Störungen, insbesondere von Stimmungs- und Persönlichkeitsstörungen.

Darüber hinaus müssen sie sich dafür einsetzen, dass sie als autistische Patientinnen die gleiche faire und angemessene Versorgung erhalten wie Männer.

Die Studie eröffnet eine neue Sichtweise auf Autismus und fordert die medizinische und wissenschaftliche Gemeinschaft auf, alte Paradigmen zu überdenken und anzuerkennen, dass im Erwachsenenalter das Schweigen und die Geschlechterunterschiede schließlich ausgeglichen werden können.

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Emilia Weber

Ich bin Emilia, das Herz von Haidenaab. Als leidenschaftliche Sammlerin und Astronomie-Fan durchsuche ich die Welt nach dem Besonderen. Von archäologischen Funden und Weltraum-News bis hin zu den besten Shopping-Deals: Ich teile mit Ihnen nur das, was mich selbst begeistert und einen echten Mehrwert bietet. Neugier ist mein Kompass – lassen Sie uns gemeinsam entdecken!