Ein unbedachter Schnitt reicht, und statt prächtiger Blütenbälle gibt es in der Saison nur Blätter. Bei Hortensien entscheiden Zeitpunkt und Technik des Rückschnitts über alles – besonders am Übergang von Winter zu Frühling. Wichtig ist zu wissen, welche Sorten stark geschnitten werden dürfen und welche keinesfalls „kahlrasiert“ werden sollten, wenn die Blüte nicht ausfallen soll.
Warum ist der Rückschnitt von Hortensien nach dem Winter so wichtig?
Hortensien gehören zu den spektakulärsten Ziersträuchern in mitteleuropäischen Gärten. Ihre Biologie ist allerdings unerbittlich:
Ein Teil der Sorten bildet Blütenknospen an den Trieben des Vorjahres, andere blühen an den diesjährigen Trieben.
Das ist ein grundlegender Unterschied. Wird der Typ verwechselt und falsch geschnitten, können alle Blütenknospen unwiederbringlich entfernt werden.
Untersuchungen aus gärtnerischen Fachzentren zeigen, dass ein korrekter, mäßiger Rückschnitt im zeitigen Frühjahr:
- die Durchlüftung des Strauchs verbessert
- Pilzkrankheiten einschränkt
- kräftige neue Triebe anregt
- die Größe der Blütenstände erhöht
Das Wichtigste zuerst: Erkenne deine Hortensie
Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla – die Anspruchsvollste)
Genau sie wird im Garten am häufigsten zu stark zurückgeschnitten. Das ist ein Fehler.
Grund: Sie blüht an den Trieben des Vorjahres. Die Blütenknospen werden bereits im Herbst angelegt und überwintern an den Triebspitzen.
Wie schneiden?
Entferne nur erfrorene, trockene und beschädigte Teile.
Kürze den Trieb direkt über der ersten kräftigen, gesunden Knospe.
Kein radikaler Verjüngungsschnitt im Frühjahr.
Wer alle Vorjahrestriebe bodennah abschneidet, hat in dieser Saison keine Blüten.
Rispenhortensie (Hydrangea paniculata – die Robusteste)
Sie eignet sich ideal für alle, die ihre Sträucher deutlich formen möchten.
Warum darf sie stark geschnitten werden? Sie blüht an den diesjährigen Trieben. Neue Triebe bedeuten neue Blüten.
Wie schneiden?
Im Februar oder März die Triebe um etwa 1/2–2/3 einkürzen.
An jedem kräftigen Trieb 2–4 Knospen stehen lassen.
Dünne und schwache Triebe komplett entfernen.
Ergebnis: größere und eindrucksvollere Blütenstände im Sommer.
Schneeballhortensie / Waldhortensie (Hydrangea arborescens – verträgt Radikalschnitt)
Sie gehört zu den unkompliziertesten Hortensien.
Regeln:
Sie kann niedrig auf 20–30 cm über dem Boden zurückgeschnitten werden.
Ein starker Schnitt fördert dicke, kräftige Triebe.
Bleibt der Schnitt aus, werden die Blütenstände mit der Zeit kleiner.
Wann Hortensien schneiden? Der richtige Zeitpunkt zählt
Der beste Zeitpunkt ist Ende Februar bis März, bevor die Vegetation kräftig einsetzt.
Warum nicht später?
Im zeitigen Frühjahr nutzen Vögel die Sträucher als Schutz und Brutplatz.
Ein später Schnitt kann die Pflanze in der Phase des starken Saftflusses schwächen.
Zu früher Schnitt bei starkem Frost erhöht das Risiko, dass frische Schnittstellen durchfrieren.
Optimal ist eine Temperatur von ein paar Grad über Null, ohne angekündigte starke Nachtfröste.
Häufige Fehler, durch die Hortensien nicht blühen
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung der Sorten und ein zu starker Rückschnitt bei Bauernhortensien.
Weitere Probleme sind das komplette Entfernen aller Triebe mit sichtbaren Knospen, das Schneiden mit stumpfem Werkzeug (ausgefranste Wunden begünstigen Infektionen), Rückschnitt bei starkem Frost sowie fehlende Düngung nach dem Schnitt.
Wie Hortensien nach dem Schnitt schützen?
Nach dem Rückschnitt lohnt es sich, einen Startdünger mit erhöhtem Kalium- und Phosphorgehalt zu geben.
Mulche den Boden mit Kiefernrinde, um Feuchtigkeit zu halten und ein leicht saures Milieu zu fördern. Wenn Spätfröste angekündigt sind, sollten junge Knospen mit Vlies geschützt werden.
Wichtig: Hortensien bevorzugen leicht sauren Boden mit einem pH-Wert von etwa 5,0–6,0. Ein ungeeigneter pH-Wert erschwert die Nährstoffaufnahme und führt zu schwächerer Blüte.
Vertrocknete Blütenstände im Winter entfernen?
Nein. Die alten Blütenstände dienen im Winter als natürlicher Frostschutz. Sie bewahren die Knospen vor mechanischen Schäden und starker Auskühlung.
Entfernt werden sie erst im zeitigen Frühjahr beim eigentlichen Rückschnitt.
Verjüngungsschnitt – wann ist er nötig?
Ältere, vernachlässigte Sträucher können verjüngt werden.
Bei Bauernhortensien sollte dieser Eingriff aber auf 2–3 Jahre verteilt werden. Schneide die ältesten Triebe nach und nach heraus, damit die Pflanze nicht auf einmal alle Blütenknospen verliert.
Fazit vom Experten
Der Rückschnitt von Hortensien nach dem Winter kann über die gesamte Saison entscheiden. Entscheidend ist, die Sorte richtig zu bestimmen und die Schnittstärke an die jeweilige Blühweise anzupassen.
Eine Entscheidung im Februar oder März bestimmt, ob der Garten im Sommer von spektakulären Blütenbällen oder nur von grünem Laub dominiert wird.
FAQ – häufige Fragen zum Hortensienschnitt im Februar
Kann man Hortensien im Februar schneiden?
Ja, aber nur Rispen- und Schneeballhortensien.
Dürfen Hortensien im Herbst geschnitten werden?
Nur ein leichter Pflegeschnitt ist möglich – der eigentliche Rückschnitt erfolgt im Frühjahr.
Werden junge Hortensien auch geschnitten?
Ja, aber sehr vorsichtig und hauptsächlich zur Formgebung.
Kann die Hortensie nach dem Schnitt „bluten“?
Ja, austretender Pflanzensaft im Frühjahr ist ein natürliches Phänomen.
Verkürzt fehlender Schnitt die Lebensdauer des Strauchs?
Ja, alte Triebe sterben schneller ab und blühen schlechter.