Die Textur beobachten und das Kleingedruckte entschlüsseln
Der erste Check beginnt lange vor dem Probieren – mit einem einfachen Blick ins Glas. Viele sind daran gewöhnt, nach perfekt flüssigem, klaren und glänzenden Honig zu suchen, der wie geschmolzenes Gold aussieht. Bleibt Honig aber monatelang unverändert so flüssig, sollte das misstrauisch machen.
Echter Honig ist ein „lebendiges“ Naturprodukt und verändert sich mit der Zeit. Es ist völlig normal, dass er nach einigen Monaten fester und trüber wird: Das ist die natürliche Kristallisation. Bleibt Ihr Honig seit dem letzten Jahr im Schrank dauerhaft flüssig, wurde er wahrscheinlich stark erhitzt, um dieses Aussehen zu bewahren – dabei verliert er viele seiner wertvollen Eigenschaften. Oder er wurde mit Zuckersirup gestreckt, der nicht kristallisiert.
Neben der Optik ist das Etikett ein wichtiger Hinweis – vorausgesetzt, man liest es genau. Vage Angaben sind meist kein gutes Zeichen. Besonders aufmerksam sollten Sie bei der Formulierung „Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ sein. Diese rechtlich zulässige, aber sehr ungenaue Angabe verbirgt oft Importware minderer Qualität, die mit Zusätzen gestreckt wird, um sie billiger herzustellen.
Für eine bessere Qualität und um eine verantwortungsvolle Imkerei zu unterstützen, achten Sie möglichst auf:
- Genaue Herkunftsangabe (idealerweise „Ernte in Deutschland“ oder ein klar genanntes Land)
- Namentliche Nennung des Imkers oder Betriebs
- Ein anerkanntes Qualitäts- oder Bio-Siegel
Der aufschlussreiche Test mit kaltem Wasser
Wenn der Honig bereits zu Hause ist und Sie noch zweifeln, hilft der Kaltwassertest, um die Dichte des Produkts zu beurteilen. Reiner Honig enthält wenig Wasser und ist deshalb deutlich dichter als Zuckersirup oder verfälschter Honig.
Füllen Sie ein Glas mit kaltem Leitungswasser. Nehmen Sie einen Löffel Honig und lassen Sie eine kleine Menge langsam in das Wasser fallen.
Das Verhalten dieser Honigkugel sagt viel aus. Löst sich der Honig sofort auf, bildet trübe Schlieren im Wasser, bevor er den Boden erreicht, oder verschwindet schon bei leichtem Umrühren, ist Vorsicht geboten. Echter Honig bleibt dank seiner dichten, komplexen Zusammensetzung kompakt. Die Honigkugel sinkt direkt auf den Boden des Glases, ohne auseinanderzufallen, und behält eine Weile ihre Form – wie ein kleiner bernsteinfarbener Kieselstein. Erst bei kräftigem, längerem Rühren vermischt sie sich vollständig mit dem Wasser.
Dieser einfache Test beruht auf einem Prinzip, das frühere Generationen gut kannten: Die wahre Qualität von Honig zeigt sich in seiner Konsistenz, nicht in übertriebener Flüssigkeit.
Die Küchenpapier-Methode zur Kontrolle des Wassergehalts
Ein weiteres wichtiges Merkmal von echtem Honig ist sein niedriger Wassergehalt. Gesetzlich darf er maximal etwa 20 % betragen, damit sich der Honig von Natur aus hält, ohne zu gären. Falscher oder gestreckter Honig, der mit Wasser oder Sirup verlängert wurde, ist deutlich feuchter.
Um das zu prüfen, ist der Test mit Küchenpapier sehr hilfreich. Geben Sie ein kleines Tröpfchen Honig auf ein Stück Küchenpapier oder Löschpapier und beobachten Sie, was passiert. Bildet sich schnell ein feuchter Rand um den Honig oder dringt er sogar durch das Papier und macht die Fläche darunter nass, ist der Wassergehalt deutlich zu hoch – ein klares Zeichen für mangelhafte Qualität.
Reiner Honig durchnässt das Papier nicht sofort. Er bleibt obenauf wie ein kleiner Dom und wird nicht oder nur sehr langsam aufgesogen, als läge er auf einer wasserabweisenden Oberfläche. Diese geringe Saugfähigkeit zeigt, dass der Honig ausreichend konzentriert und damit authentisch ist.
Wenn Sie sich ein paar Sekunden Zeit für diese einfachen Kontrollen nehmen, schützen Sie nicht nur Ihre Gesundheit und Ihren Geschmackssinn. Sie würdigen auch die sorgfältige Arbeit der Imker, die trotz schwieriger klimatischer Bedingungen einen hochwertigen Naturhonig erzeugen. Beim nächsten Süßen Ihres Tees oder beim Backen wissen Sie dann genau, was in Ihrem Löffel landet.