Es gibt diese unangenehme Kälte, die einen Winterabend verderben kann, selbst wenn die Heizung auf Hochtouren läuft. Man sitzt gemütlich auf dem Sofa, Decke auf den Knien, überzeugt, gut vor der Kälte geschützt zu sein – und trotzdem streicht ein kalter Luftzug über den Nacken oder kühlt die Knöchel aus. Der erste Reflex ist oft, den Thermostat höher zu drehen oder die schlechte Dämmung der Wände zu verfluchen.
Dabei liegt die Ursache dieses Unbehagens häufig dort, wo man sie am wenigsten vermutet: an scheinbar geschlossenen Fenstern. In einer Zeit, in der jeder Kilowattstunde zählt, kann es teuer werden, dieses technische Detail zu ignorieren. Die Lösung erfordert weder große Bauarbeiten noch einen Handwerker oder teures Material, sondern nur das Wissen um einen raffinierten Mechanismus, der direkt in Ihren Fenstern steckt.
Der „Geisterzug“: Warum geschlossene Fenster trotzdem Kälte durchlassen
Wenn das natürliche Spiel der Rahmen zum thermischen Feind wird
Man denkt gern, ein eingebautes Fenster sei eine unverrückbare Barriere gegen Wind und Wetter. Dabei vergisst man, dass Materialien arbeiten. Ob PVC, Aluminium oder Holz: Sie reagieren auf Temperaturunterschiede zwischen innen und außen. Gerade im Februar, wenn die Schwankungen zwischen Tag und Nacht groß sein können, „arbeitet“ die Konstruktion besonders.
Dieses normale Ausdehnen und Zusammenziehen hat eine direkte Folge: Es entsteht ein minimaler Spalt zwischen Flügel (beweglicher Teil) und Rahmen (fester Teil). Dieser Versatz ist oft mit bloßem Auge kaum zu erkennen, reicht aber aus, um die Dichtheit zu stören. Die Dichtung, die eigentlich fest gegen den Rahmen gepresst sein sollte, liegt nur noch leicht an. Durch diesen mikroskopischen Spalt drückt sich die kalte, dichte Außenluft ins Innere und verursacht störende Zugluft. Energetisch ist das, als würde man versuchen, einen Raum zu heizen, während die Tür ständig einen Spalt von wenigen Millimetern offensteht.
Kein Silikon nötig: Oft fehlt nur der richtige Anpressdruck
Die typische Reaktion: ab in den Baumarkt, Zugluftstopper aus Stoff kaufen oder die Fugen mit Silikon und selbstklebenden Schaumdichtungen „zukleistern“. Das ist ein grundlegender Fehler. Zusätzliche Schichten können die Scharniere überlasten und die Beschläge auf Dauer beschädigen, ohne das eigentliche Problem zu lösen. In den meisten Fällen (außer bei sehr alten Fenstern) ist nicht die Dichtung defekt, sondern sie wird einfach nicht mehr stark genug zusammengedrückt.
Hersteller moderner Fenster haben diesen Einstellbedarf einkalkuliert. Ein Fenster ist kein starrer Block, sondern eine präzise Mechanik, die sich anpassen lässt. Der entscheidende Hebel gegen Zugluft ist die Möglichkeit, den Anpressdruck des Flügels auf den Rahmen zu verändern. Erhöht man diesen Druck, gleicht man das entstandene Spiel aus und stellt die ursprüngliche Wirksamkeit der Dichtung wieder her – die Luftdichtheit kommt fast auf das Niveau vom Einbautag zurück.
Allgemeine Kontrolle: Die Pilzzapfen an der Fensterkante finden
Diese Metallzapfen an modernen PVC-Fenstern erkennen
Um an diese wenig bekannte Einstellung zu kommen, öffnen Sie das Fenster weit. Schauen Sie nun auf die senkrechte Kante des Flügels, dort, wo sich die Mehrfachverriegelung (die Metallstange, die sich beim Drehen des Griffs bewegt) befindet. Entlang dieser Beschlagleiste sehen Sie mehrere hervorstehende Metallteile, die beim Schließen im Rahmen einrasten. Das sind die Verriegelungspunkte.
Bei den meisten neueren Fenstern, besonders bei Dreh-Kipp-Modellen, sehen diese Teile wie kleine Metallzylinder aus, oft mit etwas breiterem Kopf – daher der Name Pilzzapfen. Sie dienen nicht nur der Einbruchhemmung, sondern sind zugleich das Herzstück der thermischen Feineinstellung. Üblich sind drei bis vier solcher Zapfen über die Höhe eines Fensters oder einer Terrassentür verteilt.
Die Markierung auf der exzentrischen Achse verstehen
Schaut man genauer hin, fällt ein wichtiges Detail auf: Die Zapfen sind nicht perfekt rund oder drehen sich jedenfalls nicht um eine exakt mittige Achse. Sie sitzen exzentrisch. Dreht man sie, verändert sich der Abstand zwischen Außenkante des Zapfens und dem Rahmen. Genau diese Bewegung sorgt dafür, dass der Flügel näher an den Rahmen herangezogen oder etwas gelöst wird.
Zur Orientierung bringen die Hersteller meist eine kleine Markierung am Kopf des Zapfens an: einen Punkt, eine feine Kerbe oder eine ovale Form. Die Position dieser Markierung zeigt den aktuellen Anpressdruck. In der Neutralstellung (oft Werkseinstellung) ist die Kompression mittel. Wenn Zugluft spürbar ist, passt diese Einstellung häufig nicht mehr zu den aktuellen Bedingungen oder zum Verschleißzustand der Dichtungen.
Ran an die Arbeit: Mit einer Vierteldrehung die Dichtung stärker pressen
Mit einem Inbusschlüssel die Pilzzapfen nachstellen
Für diese Justierung braucht es keine großen Handwerkerkenntnisse und nur wenig Werkzeug. Die meisten Pilzzapfen haben in der Mitte eine sechskantige Aufnahme. Ein einfacher Inbusschlüssel (auch Sechskantschlüssel genannt), oft in der Größe 4 mm, reicht aus. Je nach Beschlaghersteller kann stattdessen ein Schlitzschraubendreher, ein Torx-Schlüssel oder – bei glatten Zapfen – eine vorsichtig eingesetzte Wasserpumpenzange nötig sein (dabei das Metall nicht quetschen).
Für diesen schnellen Eingriff sind im Prinzip nur wenige Dinge hilfreich:
- Inbusschlüssel (häufig Größe 4)
- Schraubendreher oder Torx-Schlüssel je nach Beschlag (falls nötig)
- Ein sauberes Tuch zum Reinigen der Zapfen
- Ein Blatt Papier für den anschließenden Dichtetest
Goldene Regel: Markierung zur Gummidichtung drehen
Ist das Werkzeug im Zapfen angesetzt, ist die eigentliche Einstellung einfach und logisch: Ziel ist es, den Flügel stärker gegen die Gummidichtung im Rahmen zu drücken. Dazu wird der Zapfen so gedreht, dass seine breiteste Stelle – beziehungsweise die Markierung – näher zur inneren Dichtung (zur Rauminnenseite hin) zeigt.
Mit dieser Vierteldrehung erzwingen Sie ein strammeres Schließen. Oft spricht man dabei vom „Wintermodus“. Im Sommer empfiehlt es sich, den Druck wieder etwas zu reduzieren, damit die Dichtung „atmen“ kann und nicht unnötig stark gequetscht wird, zumal die Materialien durch Wärme ohnehin stärker gedehnt sind. Wichtig ist, die Einstellung an allen Pilzzapfen des Fensters vorzunehmen, damit der Druck über die gesamte Höhe gleichmäßig ist.
Ergebnis: Ein dichtes Zuhause, ohne Geld auszugeben
Spürbarer Effekt: Keine Pfeifgeräusche und keine Eiseskälte mehr
Der Effekt dieser kleinen Maßnahme ist meist sofort deutlich. Beim Schließen des Fensters spürt man einen kräftigeren Widerstand am Griff. Das ist normal: Sie müssen nun etwas mehr Kraft aufwenden, um die Dichtung zu komprimieren – ein Zeichen, dass die Einstellung greift. Gleichzeitig wird es leiser: Die pfeifenden Windgeräusche verschwinden, und auch der Schallschutz verbessert sich durch die bessere Luftdichtheit.
Zur Kontrolle eignet sich ein einfacher Trick aus dem Profi-Bereich: der Blatt-Papier-Test. Klemmen Sie ein normales Blatt Papier zwischen Flügel und Rahmen ein und schließen Sie das Fenster. Lässt sich das Blatt ohne Weiteres herausziehen, ist die Dichtheit unzureichend. Bleibt es fest eingeklemmt oder lässt sich nur mit deutlichem Widerstand bewegen, ist Ihr Fenster nun gut abgedichtet.
Saisonale Einstellung: Mehr Komfort und geringere Heizkosten
Durch das Beseitigen dieser Luftleckagen entlasten Sie sofort Ihre Heizung, die nicht mehr permanent gegen Wärmeverluste anarbeiten muss. Diese einfache Justierung kann den Energieverbrauch im Winter spürbar senken. Die Einsparung auf der Heizkostenrechnung rechtfertigt diese kostenlose Maßnahme schnell.
Wenn Sie den „Wintermodus“ jedes Jahr im Herbst aktivieren und im Frühjahr wieder in den „Sommermodus“ zurückstellen, verlängern Sie zudem die Lebensdauer der Dichtungen und optimieren Ihren thermischen Komfort rund ums Jahr.