Beispielloser Fund in der Archäologie: 40 Millionen Jahre alte Ameise entdeckt

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Written by Emilia

13. Februar 2026

Der Fund befand sich in einem Stück Bernstein aus dem Besitz von Johann Wolfgang von Goethe

Lange Zeit galt die Bernsteinsammlung des deutschen Schriftstellers, Dichters, Philosophen und Naturforschers Johann Wolfgang von Goethe als eine weitere Kuriosität in seinem Nachlass. Schöne und kuriose Stücke, über die man sich kaum Gedanken machte. Umso überraschender war es, dass Forscher bei einer sorgfältigen Untersuchung mit modernen Werkzeugen etwas fanden, womit niemand gerechnet hatte: eine etwa 40 Millionen Jahre alte versteinerte Ameise, die so tief im Harz verborgen war, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen war.

Die Entdeckung kam nicht plötzlich. Die Wissenschaftler der Universität Jena begannen fast routinemäßig mit der Durchsicht der Sammlung, ohne zu ahnen, dass sich dort so etwas verbergen könnte. Aber das Stück gab seine Geheimnisse erst preis, als fortschrittliche Bildgebungstechniken zum Einsatz kamen, die eher in einem Krankenhaus als in einem paläontologischen Labor zu finden sind. Und plötzlich nahm die Silhouette eines ausgestorbenen Insekts Gestalt an. Von diesem Moment an veränderte sich das Projekt komplett. Das Fossil war kein einfaches, in Bernstein eingeschlossenes Insekt, sondern ein außergewöhnlich gut erhaltenes Exemplar, das den Blick auf bisher unbekannte innere Strukturen dieser Art ermöglichte. Eine Entdeckung, die dazu geführt hat, dass diese alten Sammlungen erneut durchgesehen wurden, die von Zeit zu Zeit zeigen, dass sie noch immer unerwartete Geschichten bereithalten.

Eine 40 Millionen Jahre alte Ameise gefunden

Wer jemals die Bernsteinsammlung Goethes gesehen hat, weiß, dass sie auf den ersten Blick nichts Spektakuläres an sich hat. Es handelt sich um kleine, warmfarbige Stücke, die der Schriftsteller eher aus Neugierde als aus wissenschaftlichem Interesse aufbewahrte. Und vielleicht dachte deshalb niemand daran, dass in einem davon eine vor etwa 40 Millionen Jahren versteinerte Ameise ruhte. Nicht einmal er selbst, der die Natur mit fast obsessiver Aufmerksamkeit beobachtete, hätte sich so etwas vorstellen können.

Die Wende kam viel später, als ein Team der Universität Jena begann, die Sammlung mit modernen Instrumenten zu untersuchen. Sie gingen dabei ohne Eile vor, da sie nicht erwarteten, etwas zu finden, aber sie fanden etwas, und zwar nicht nur eine Ameise, sondern zwei Mücken, die in einem anderen Stück eingeschlossen waren. Alle waren mit bloßem Auge praktisch unsichtbar, versteckt in einem ungeschliffenen Bernstein, der nie eingehend untersucht worden war.

Um herauszufinden, was sich darin befand, vermieden es die Forscher, das Stück zu berühren. Sie entschieden sich für eine Methode, die eher nach Radiologie als nach Paläontologie klingt: die Synchrotron-Mikrotomographie, durchgeführt in den Einrichtungen des DESY in Hamburg. Dieser Scan ermöglichte es, das Innere des Bernsteins so zu betrachten, als wäre er transparent, und jedes Insekt dreidimensional zu rekonstruieren, mit einem Detailgrad, der bis vor kurzem für Fossilien dieser Größe undenkbar war.

Die in dem Bernsteinstück gefundene Ameise gehört zur ausgestorbenen Art Ctenobethylus goepperti, die häufig in baltischem Bernstein vorkommt. Überraschend war nicht ihre Anwesenheit, sondern ihr Erhaltungszustand. Laut Bernhard Bock vom Phyletischen Museum der Universität Jena hat das Fossil es ermöglicht, die Art mit einer bisher unerreichten Genauigkeit zu beschreiben.

Die Synchrotronbilder zeigten oberflächliche Details wie Haare, Kiefer und Körpersegmente, aber wirklich revolutionär war, dass das Innere des Insekts sichtbar gemacht werden konnte. Zum ersten Mal hatten Wissenschaftler Zugang zu den inneren Strukturen des Kopfes und des Brustkorbs, was Hinweise auf die frühe Evolution der Ameisen und ihre Verwandtschaft mit heutigen Arten liefert.

Das Team hat das Fossil vollständig verarbeitet und eine interaktive 3D-Rekonstruktion erstellt, die Fachleuten aus aller Welt zur Verfügung steht. „Dieses Modell wird dabei helfen, andere Fossilien derselben Art zu identifizieren und zu vergleichen”, erklärt Daniel Tröger, Mitautor der Studie. Das digitale Material wird so zu einem internationalen Referenzwerkzeug.

Aus Ähnlichkeiten mit der Gattung Liometopum, die heute in Nordamerika und warmen Regionen Europas lebt, schließen die Forscher, dass diese 40 Millionen Jahre alten prähistorischen Ameisen wahrscheinlich große Nester in Bäumen bauten, was ihre Häufigkeit in Bernstein erklären würde.

Eine Entdeckung, die historische Sammlungen aufwertet

Ein Großteil der Bedeutung dieser Entdeckung liegt nicht nur in der 40 Millionen Jahre alten Ameise selbst, sondern auch in dem, was sie über den verborgenen Wert alter Sammlungen verrät. Goethe sammelte diese Stücke aus Neugier und für seine optischen Experimente, ohne zu ahnen, dass sie zwei Jahrhunderte später neue paläontologische Erkenntnisse liefern könnten.

„Es ist faszinierend, dass ein Objekt aus seiner Hand und seiner Zeit, als die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte, unser Wissen noch heute bereichern kann”, sagt Bock. Die Forschung zeigt, dass viele Museen und Privatsammlungen wissenschaftlich äußerst relevante Materialien beherbergen könnten, die erst sichtbar werden, wenn moderne Techniken ihre Untersuchung ermöglichen. Darüber hinaus unterstreicht dieser Fall die Rolle des Bernsteins als natürliches Archiv: kleine versteinerte Blasen, die ganze Organismen mit einer Genauigkeit konservieren können, die in anderen Sedimenten unmöglich ist. Jedes Stück kann ganze Szenen eines vor Millionen von Jahren verschwundenen Ökosystems enthalten.

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Emilia Weber

Ich bin Emilia, das Herz von Haidenaab. Als leidenschaftliche Sammlerin und Astronomie-Fan durchsuche ich die Welt nach dem Besonderen. Von archäologischen Funden und Weltraum-News bis hin zu den besten Shopping-Deals: Ich teile mit Ihnen nur das, was mich selbst begeistert und einen echten Mehrwert bietet. Neugier ist mein Kompass – lassen Sie uns gemeinsam entdecken!